Ute Arndt

Zwei, Drei, Highlights aus nur einem einzigen Workshop:

Das Kennenlernen beginnt schon bei der Anreise, zwei gemeinsame Abende vertiefen neue Kontakte. Extravagante Bilder werden hier zur Normalität, auch für die leichtere Ausrüstung. Es ist unfassbar, welche Bildmöglichkeiten sich ergeben – und daß man sie erfolgreich nutzen kann. Konzentration pur – oder auch mal 5 Minuten das Schauspiel anschauen – und weitermachen. Das alles wirkt „normal“ – erst zuhause am Rechner wird mir gewahr, wie schön die eigenen Ergebnisse sind. Und welch außergwöhnlichen Erlebnisse ich erleben durfte. Eine Spiegelreflex oder ähnlich leistungsfähige spiegellose Kamera sollte es schon sein – und mit einem 70-200’er ist man gut bestückt. Mehr mm schaden nicht – muß aber nicht. Und oft genug vereitelt die lange Tüte ein gutes Bild, weil Model und Fotograf sich hier nahekommen.

Nahekommen. Es ist nicht nur das Fotografieren. -hier klicken zum öffnen-

Vor über einer Stunde es war das Füchslein ausgebüchst. „Der ist weg“ ging durch die Runde – so herrlich gesprungen ist er für uns – Schwebebilder für die meisten. Durch den Schnee gestoben – auf der Suche nach der kleinen Belohnung – nah an uns vorbei – über den verschneiten Baumstumpf herüber. Im kalten Schnee kniend konnte ich viele Momente einfangen. Dann lief er in den Wald. „Pod – – – Pod“ – die ruhigen Rufe des Tierführers. Ein paar teilen sich auf – streifen durch den Wald – weg. Warum? Neugier? Trieb?

Nach einer Stunde immer noch nichts. Das nächste Model wird geholt – ein schöner Fischadler. Im Wald? Einfach weitermachen? Der arme Fuchs – so allein? Ich habe gemischte Gefühle und werde etwas traurig. Vielleicht kommt er die nächsten Tage zurück? Oder gar von Fremden wegen seiner Zutraulichkeit erschossen?

Der Adler schreit,

wartet darauf, fliegen zu dürfen. 15 Meter hinter uns steht der Falkner, 30 Meter vor uns der Adler. Helle, laute Schreie. Fliegt los – schreit noch wilder. Die ersten Flügelschläge weit und kräftig. Ich zoome beim Anflug gleichmäßig von 200mm auf 70mm zurück. Mehr als 5 Kameras laufen nun mit über 10 Bildern pro Sekunde – meine gemütlicher. Die Geräuschkulisse hat jetzt, für diese hochkonzentrierten zwei Sekunden, einen miltärischen Touch. Schreiend streifen seine Flügel unsere Mützen und Haare, der Flugwind ist spürbar. Sofort schweigen die Kameras. Erste Blicke auf die Ausbeute. Nach einigen Flügen Pause. An einer Leine ist der Adler gesichert.

Plötzlich wird der Adler starr. Fixiert einen Ort in den hellbraunen Buchenblättern, die noch am buschartigem Unterholz hängen. Kein Ton.

„Der Fuchs“ ruft jemand. „Oh – Adler können Füchse schlagen – bitte – so soll das hier nicht enden!“ denke ich mir, richte mich auf, suche mit den Blicken das Gebüsch ab. Da! – da schleicht etwas.

Der Adler richtet sich neu aus. Beim erneuten Anspannen seines Körpers zittern die Federn für einen kurzen Moment. Der Fuchs nun 3-4 Meter vor ihm. Auf freier Fläche. „Mensch, lauf weg -“ möchte ich rufen, bei gleichzeitiger Freude, daß er zurückgekommen ist – und – ihn jetzt gleich verjagen hilft auch nicht wirklich – wo er zurückgekommen ist. Der Adler schießt los. Ein Flügelschlag – dann stoppt ihn die Leine – der Fuchs duckt sich, spannt sich an, bleibt aber stehen. Das wäre es jetzt gewesen! Ich erschrecke bei dem Gedanken an das, was mit unserem lustigen Fuchs passiert wäre.

Inzwischen hat der Tierführer die Tiertransportkiste in die Nähe des Fuchses gestellt. Der Fuchs schlüpft freiwillig hinein – alles gut. In Ruhe kann der Adler zurückgebracht werden – das Füchslein darf nochmal laufen.

Ich sitze wieder etwas abseits. Der Fuchs kommt vorsichtig-neugierig auf mich zu, ich strecke ihm langsam meine behandschuhte Hand entgegen – kurzes Zögern – ein Nachdenken und Abwägen seinerseits. Dann spüre seine Nase an meinen Fingern schnuppern. Er nimmt mein

en Geruch eine kurze Weile auf – ich bin glücklich über sein Interesse. Die Situation wird von einer teilnehmenden Fotografin festgehalten – was für Erinnerungen! Ich bin so glücklich, daß er wieder da ist. Es wird keinen traurigen Nachgeschmack beim Betrachten der Bilder geben!

Layla - die ungebremste Tigerdame: -hier klicken zum öffnen-

Wir hatten den ganzen Tag Zeit, das Zusammenspiel von Layla und dem Tierführer zu erleben. Rasende Hatz durch stiebenden Schnee, Lauern und Aufspringen. Dabei kam Layla hin und wieder nah an die Gruppe heran und schien sich für uns zu interessieren. Nach einer nicht enden wollenden Serie von einmaligen Gelegenheiten, Tigerbilder im Schnee zu schießen, kamen die Erinnerungsbilder an die Reihe.

Mein innerster Wunsch war zum Abschied ein Tiger-Nahkontakt – ein Bild, wo wir beide drauf sind – und sprach auch Johnny darauf an. So wie Layla mit Ihrem „Herrchen“ spielte, hätte sie auch mir nahe kommen dürfen. Johnny erwähnte die Stichwörter Kralle und Gesicht. – Oh – das ließ mich ein bißchen zögern. Aber Layla zeigte nur der Birke Ihre Kralle, als Sie sich an ihr reckte – nie ihrem Tierführer. Sehr oft und mit Spaß spielten die beiden, jagten sich, sprangen sich an, kuschelten im Schnee. So stieg doch meine Hoffnung. Johnny fotografierte uns – Wir sollten eigentlich neben Layla sitzen – aber – Layla wurde unruhig. Der Tierführer versuchte sie zu beruhigen, ich war schon leicht traurig, daß es nicht klappen wollte – Layla trollte sich hinter mich.

Plötzlich rumpelte es hinten an meinem Körper – Tatzen „tasten“ meinen Rücken herauf. Leicht. Wo war Laylas Gewicht? Sie war so vorsichtig! Ich blieb irgendwie instinktiv abwehrbereit – aber was hätte ich ausrichten können? Mein Strahlen konnte ich nicht verbergen, meine Freude, mein Glück waren in diesem Moment grenzenlos.

Ich erlebe einen Tiger auf mir! Immer noch spüre ich in der Erinnerung, wie ihre Tatze über mein Gesicht glitt, Ihr „Daumen“ etwas kräftiger über die Oberlippe rieb und dabei mir meine Mütze übers Gesicht zog. Für eine Tigerhand sicher sehr zärtlich. wenn man bedenkt, daß sie zu diesem Zeitpunkt einen unsicheren Stand hatte. Schnell wird da instinktiv der „Grip“ ausgefahren. Layla war lieb und so rücksichtsvoll. Es war einfach nur schön – mein Lachen blieb und wandelte sich in ein Strahlen. Schnell zog ich die Mütze ab – und legte meine Hand auf Ihre Tatze – unterhalb meiner Schulter. Die Tatze, die mir eben noch übers Gesicht streich. Ich konnte nur hoffen, daß Ihr verspieltes Gesicht über meinem herausschauen würde – ja, _über_ meinem – Sie war doch die unangefochtene Königin des Tages!

Kempten, im März 2018 Ute Arndt